Hitchcocks letzter Film verknüpft eine falsche Spiritistin (Barbara Harris) und ihren gewieften Freund (Bruce Dern) mit einem entführten Bischof und einem eleganten Entführerpaar, das mit Diamanten dealt. Während die Schwindlerin vorgibt, Kontakt zum Jenseits zu haben, führt sie eine harmlose Erbschaftssuche direkt zu einem dunklen Serienkidnapper. In der Mischung aus schwarzem Humor, Kleinganoven und tödlichem Ernst verabschiedet sich Hitchcock 1976 mit erstaunlich leichter Tonlage von seiner Kinokarriere.
In London treibt ein Serienmörder sein Unwesen, der Frauen mit einer Krawatte erwürgt. Der arbeitslose Ex‑RAF-Pilot Richard Blaney gerät ins Visier der Polizei, als seine Ex‑Frau und weitere Frauen Opfer des «Necktie Killer» werden. Während die Öffentlichkeit nach schnellen Antworten verlangt, muss Blaney untertauchen und zugleich seine Unschuld beweisen. Hitchcock kombiniert eine raue, fast dokumentarische Schau Londons – samt düsteren Szenen in Covent Garden – mit bitterem schwarzen Humor und schockierender Gewalt.
Mitten in der Kuba‑Krise 1962 läuft ein sowjetischer Überläufer in die USA über und enthüllt geheime Raketenbasen auf der Insel. Ein französischer Geheimagent wird beauftragt, in Havanna und Paris Beweise zu beschaffen und stösst auf einen hochrangigen Spionagering namens «Topaz». Zwischen politischen Intrigen, Familiendrama und Liebesaffäre mit einer kubanischen Widerstandskämpferin entfaltet Hitchcock einen vielschichtigen Spionageplot. Der Film verbindet Kalter‑Krieg‑Atmosphäre mit nüchternem, beinahe journalistischem Blick auf Verrat.
Der zerrissene Vorhang
1966
Ein amerikanischer Raketenwissenschaftler inszeniert während eines Ostsee‑Kongresses scheinbar den Übertritt in die DDR, um an eine geheime Formel eines ostdeutschen Kollegen zu gelangen. Seine Verlobte folgt ihm überrascht nach Ost-Berlin und wird in das Doppelspiel hineingezogen. Die berühmte, bewusst unglamouröse Gromek‑Mordszene unterstreicht, wie schwer es ist, einen Menschen wirklich zu töten. Zwischen Misstrauen des Regimes, Fluchthelfern und der Bedrohung durch die Stasi versucht das Paar, mit den erbeuteten Informationen in den Westen zu entkommen.
Marnie Edgar ist eine elegante Seriendiebin, die Identitäten wechselt, Arbeitgeber ausraubt und anschliessend spurlos verschwindet. Der wohlhabende Verleger Mark Rutland durchschaut ihren Betrug, verzichtet jedoch auf eine Anzeige und heiratet sie, fasziniert von ihrer verletzlichen Kälte. Marnie leidet unter Panikattacken, besonders bei der Farbe Rot und bei Gewitter, und kann körperliche Nähe kaum ertragen. Schritt für Schritt zwingt Mark sie, sich verdrängten Kindheitserinnerungen zu stellen, hinter denen ein traumatisches Gewalterlebnis und ein lange verborgenes Familiengeheimnis stehen.
In «Die Vögel» folgt Society-Lady Melanie Daniels dem Anwalt Mitch Brenner ins Küstenstädtchen Bodega Bay, um ihm heimlich ein Paar Lovebirds zu bringen. Kurz nach ihrer Ankunft greifen Möwen und später ganze Vogelschwärme grundlos Menschen und Häuser an. Ohne Erklärung für das Phänomen steigert Hitchcock 1963 die Angriffe zur apokalyptischen Belagerung eines scheinbar idyllischen Ortes.
«Psycho» beginnt mit der Sekretärin Marion Crane, die 40'000 Dollar unterschlägt und auf der Flucht in einem abgelegenen Motel landet. Dort trifft sie den schüchternen Norman Bates und dessen dominante «Mutter» – bis die Duschszene den Film radikal kippen lässt. Hitchcock verknüpft 1960 Tabuthemen wie Sexualität und Gewalt mit der berühmten Mehrfachpersönlichkeit Normans.
Der unsichtbare Dritte
1959
Werbefachmann Roger Thornhill wird in «Der unsichtbare Dritte» mit dem nicht existierenden Agenten George Kaplan verwechselt und von ausländischen Spionen gejagt. Auf seiner Flucht quer durch die USA begegnet er der rätselhaften Eve Kendall, überlebt den Angriff eines Cropduster-Flugzeugs und ein Finale am Mount Rushmore. 1959 perfektioniert Hitchcock hier das Motiv des zu Unrecht verfolgten «unschuldigen Mannes».
Vertigo – Aus dem Reich der Toten
1958
In «Vertigo» muss der wegen Höhenangst pensionierte San‑Francisco‑Kommissar Scottie Ferguson die scheinbar von einer Ahnengeisterhand gesteuerte Madeleine beobachten. Er folgt ihr durch die Stadt, verliebt sich obsessiv und erlebt ihren Sturz vom Glockenturm, den er aus Angst nicht verhindern kann. Jahre später formt er ihre Doppelgängerin Judy nach ihrem Bild – ein 1958er Psychothriller über Besessenheit, Kontrolle und männliche Projektionen.
«Der falsche Mann» erzählt den wahren Fall des Musikers Manny Balestrero, der 1950er in New York irrtümlich als Serienräuber identifiziert und verhaftet wird. Je mehr er kooperiert, desto schuldiger wirkt er, während seine Frau Rose unter dem Druck psychisch zusammenbricht. In nüchternem Docudrama‑Stil inszeniert Hitchcock 1956 einen beklemmenden Justizirrtum fern seiner üblichen, elegant konstruierten Thrillerplots.
Der Mann, der zuviel wusste
1956
Arzt Ben McKenna, Sängerin Jo und Sohn Hank geraten im Marokko‑Urlaub in ein Attentatskomplott, als ein sterbender Spion Ben Details eines geplanten Mordes in London zuflüstert. Die Drahtzieher entführen Hank, um die Eltern zum Schweigen zu bringen. In London versucht das Paar allein, Kind und Attentat zu retten: Jo durchkreuzt den Mordanschlag in der Royal Albert Hall mit einem Schrei im entscheidenden Moment und findet Hank später, als sie bei einem Empfang «Que Sera, Sera» singt und der Junge ihr antwortet.
Immer Ärger mit Harry
1955
In einem idyllischen Herbstwald in Vermont stolpern mehrere Dorfbewohner nacheinander über die Leiche von Harry – und fast jeder glaubt, ihn versehentlich auf dem Gewissen zu haben. Während Captain Wiles, Künst ler Sam, Jennifer und Miss Graveley die Leiche immer wieder aus- und eingraben, entspinnt sich eine makabre, sehr trockene schwarze Komödie über Moral, Liebe und die Frage, wie viel ein Todesfall in einem kleinen Ort überhaupt «stört».
Über den Dächern von Nizza
1955
Auf der französischen Riviera macht eine Serie raffinierter Juwelendiebstähle den früheren Meisterdieb John «The Cat» Robie erneut zum Hauptverdächtigen. Um seine Unschuld zu beweisen, arbeitet er mit einem Versicherungsagenten zusammen und freundet sich mit der exzentrischen Millionärswitwe Jessie Stevens und deren Tochter Frances an. Zwischen Flirts mit Frances und nächtlichen Dachklettereien jagt Robie einen Nachahmungstäter – vor der luxuriösen Kulisse der Côte d’Azur.
Der Fotograf L.B. «Jeff» Jeffries sitzt mit Gipsbein in seinem New Yorker Apartment fest und vertreibt sich die Zeit, indem er durch den Hinterhof seine Nachbarn beobachtet. Bald verdächtigt er den scheinbar harmlosen Vertreter Lars Thorwald, seine Frau ermordet und den Körper beseitigt zu haben. Mit der eleganten Lisa Fremont und Pflegerin Stella beginnt Jeff eine gefährliche Amateur-Ermittlung – bis Thorwald merkt, dass er selbst zum Beobachteten geworden ist.
Der charmante Ex-Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner reichen Ehefrau Margot, nachdem er von ihrer Affäre mit dem Krimiautor Mark Halliday erfahren hat. Er erpresst einen alten Bekannten, der sie während eines fingierten Telefonanrufs in der Wohnung erwürgen soll. Doch Margot wehrt sich und tötet den Angreifer mit einer Schere, worauf Tony die Spuren so manipuliert, dass sie als Mörderin verurteilt wird – bis Inspektor Hubbard Tonys ausgeklügelten Schlüsseltrick enttarnt.
In Québec tötet Hausmeister Otto Keller bei einem Einbruch einen Anwalt und beichtet die Tat dem Priester Michael Logan. Als Zeugen einen Priester am Tatort gesehen haben, gerät Logan selbst unter Mordverdacht. Wegen des Beichtgeheimnisses darf er den wahren Täter nicht nennen und riskiert Ruf, Freiheit und Glauben.
Tennisstar Guy Haines trifft im Zug den exzentrischen Bruno Antony, der einen «Mordtausch» vorschlägt: Bruno tötet Guys untreue Frau, Guy dafür Brunos verhassten Vater. Guy hält das für einen Scherz, doch Bruno setzt den Plan um und erpresst ihn, die zweite Tat zu begehen. Hitchcock variiert 1951 das Motiv des unschuldigen Mannes als perfiden Perfekt‑Mord-Thriller.
Schauspielschülerin Eve Gill versteckt ihren Freund Jonathan, der beschuldigt wird, den Ehemann der berühmten Bühnendiva Charlotte Inwood getötet zu haben. Jonathan gibt Charlotte die Schuld, und Eve schleicht sich als Dienstmädchen in deren Umgebung ein, um Beweise zu sammeln. Zwischen Theaterintrigen, falschen Alibis und einem unzuverlässigen Rückblick inszeniert Hitchcock 1950 ein Londoner Krimispiel um Lüge und Schein.
1831 reist der junge Ire Charles Adare nach Sydney und gerät in den Haushalt des reichen Ex-Sträflings Sam Flusky und seiner verfallenen, alkoholkranken Frau Henrietta, die er aus der Jugend kennt. Allmählich kommen ein alter Mord, eine toxische Hausdame und ein Opfergeständnis ans Licht, das Sams frühere Verurteilung in anderem Licht erscheinen lässt. Hitchcock verbindet 1949 Melodram, Kolonialgeschichte und lange Plansequenzen.
Cocktail für eine Leiche
1948
Die Studenten Brandon und Philip erwürgen aus intellektueller Arroganz ihren Freund David und verstecken die Leiche in einer Truhe in ihrem New‑York‑Apartment. Auf dieser Truhe servieren sie bei einer Party Buffet – unter den Gästen Davids Vater, seine Verlobte und Ex-Lehrer Rupert Cadell. Während Brandon seine Übermenschen-Theorie auskostet, wächst Ruperts Verdacht in diesem beinahe in Echtzeit erzählten Kammerstück von 1948.
Die schöne Maddalena Paradine wird beschuldigt, ihren blinden, wohlhabenden Ehemann vergiftet zu haben. Der brillante Londoner Anwalt Anthony Keane übernimmt ihre Verteidigung und verfällt zunehmend seiner undurchschaubaren Klientin, was seine Ehe belastet. Im Gerichtssaal versucht er, den Diener Latour als schuldigen Liebhaber darzustellen – mit tragischen Folgen.
Alicia Huberman, Tochter eines verurteilten Nazi-Spions, wird von US-Agent Devlin rekrutiert, um eine Nazi-Zelle in Rio de Janeiro zu infiltrieren. Sie soll ihren früheren Verehrer Alexander Sebastian verführen und schliesslich sogar heiraten, um an Geheimnisse in seinem Weinkeller zu kommen. Zwischen Uran in Weinflaschen, Gift im Kaffee und eifersüchtigem Devlin entspinnt sich 1946 ein politischer Spionageromanzen-Thriller.
In der Nervenklinik «Green Manors» verliebt sich Psychoanalytikerin Constance Petersen in den neuen Direktor Dr. Edwardes – der sich bald als verängstigter Amnesiepatient und möglicher Mörder entpuppt. Gemeinsam flieht das Paar und versucht mit Traumdeutung und Skiszenen sein verdrängtes Trauma und den Tod des echten Edwardes zu enträtseln. Hitchcocks psychologischer Thriller von 1945 kombiniert Freud-Psychoanalyse mit surrealen Traumsequenzen von Salvador Dalí.
The Fighting Generation
1944
«The Fighting Generation» ist ein kaum einminütiger Propagandakurzfilm von 1944, produziert für das US-Finanzministerium zur Unterstützung der Sixth War Loan Drive. Jennifer Jones spielt eine erschöpfte Krankenschwester, die kurz vom Dienst am verwundeten Soldaten abtritt, um Kriegsanleihen zu zeichnen. Alfred Hitchcock inszenierte uncredited, gedreht wurde der Spot an einem einzigen Tag.
Nach der Versenkung eines US-Frachters durch ein deutsches U‑Boot im Atlantik landen neun Überlebende unterschiedlichster Herkunft in einem einzigen Rettungsboot. Sie nehmen zudem den scheinbar hilflosen deutschen Seemann Willi an Bord, der sich als U‑Boot-Kapitän und manipulativer Drahtzieher entpuppt. In dem Kammerspiel von 1944 prallen Klassenkonflikte, Kriegspropaganda und Überlebenskampf auf engstem Raum aufeinander.
Der französischsprachige Kurzfilm zeigt einen jungen RAF-Sergeant, der seine dramatische Flucht aus dem von Nazis besetzten Frankreich schildert. Bei der Debriefing-Befragung in London erfährt er, dass sein polnischer Fluchtbegleiter in Wahrheit ein Gestapo-Agent war und ihn unwissentlich zur Aufdeckung von Widerstandsnetzwerken benutzt hat. Der Propagandafilm von 1944 erzählt die Reise zweimal – mit und ohne Wissen um den Verrat.
Landung auf Madagaskar
1993
In einer Garderobe erinnert sich Schauspieler Clarousse an seine Zeit im Widerstand auf Madagaskar. In Rückblenden erzählt er, wie er unter Vichy-Herrschaft ein illegales Radiosendernetz betrieb und mit dem opportunistischen Polizeichef Jean Michel rang. Der 1944 entstandene Kurzfilm zeigt interne Spannungen in der Résistance und eine skeptische Sicht auf britische Kolonialpolitik.
Im Schatten des Zweifels
1943
Teenager Charlie ist begeistert, als ihr charmanter Onkel Charlie die Familie im beschaulichen Santa Rosa besucht – bis sie erfährt, dass er Verdächtiger in der Mordserie an wohlhabenden Witwen ist. Je mehr sie in seinem Verhalten Widersprüche und Grausamkeit entdeckt, desto gefährlicher wird sein Wunsch, im Städtchen zu bleiben. Hitchcock kontrastiert 1943 Kleinstadtidylle mit einem Serienmörder innerhalb der eigenen Familie.
Munitionsarbeiter Barry Kane wird fälschlich beschuldigt, ein kalifornisches Flugzeugwerk sabotiert zu haben, nachdem sein Kollege bei einem Brand ums Leben kommt. Kane macht sich quer durch die USA auf die Suche nach dem wahren Täter Fry und stösst auf ein Netzwerk faschistischer Verschwörer in höchsten Kreisen. Der Thriller von 1942 mündet in ein legendäres Finale auf der Fackel der Freiheitsstatue.
Die schüchterne Erbin Lina heiratet den charmanten Lebemann Johnnie Aysgarth, entdeckt jedoch bald seine Spielsucht, Lügen und Geldprobleme. Als sein Freund Beaky unter mysteriösen Umständen stirbt und Johnnie nach Gift fragt, wächst in ihr die Angst, er plane ihren Mord. Hitchcock hält 1941 die Frage offen, ob Lina nur Projektionen erliegt oder tatsächlich mit einem Mörder verheiratet ist.
Ann und David Smith sind ein New Yorker Ehepaar, das leidenschaftlich liebt und ebenso leidenschaftlich streitet. Als sie erfahren, dass ihre Eheschliessung aus formalen Gründen ungültig ist, nutzt Ann die Gelegenheit, David vorerst nicht erneut zu heiraten und seine Eifersucht zu testen. Hitchcock inszeniert 1941 seine einzige Screwball-Komödie, in der Beziehungsspiele und verletzte Egos den Plot treiben.
Der Auslandskorrespondent
1940
Reporter Johnny Jones wird 1939 als Auslandskorrespondent nach Europa geschickt, um statt trockener Analysen «handfeste Geschichten» zum drohenden Krieg zu liefern. Er erlebt ein Attentat auf den Diplomaten Van Meer, entdeckt ein Doppelgängerkomplott und stösst auf ein Spionagenetzwerk um den vermeintlich pazifistischen Stephen Fisher. Hitchcock verbindet 1940 Propagandathriller, Humor und spektakuläre Setpieces wie Windmühle und Flugzeugabsturz.
Eine namenlose junge Frau heiratet nach kurzer Romanze den verwitweten Adligen Maxim de Winter und zieht auf seinen Landsitz Manderley. Dort wird sie von der Erinnerung an die scheinbar perfekte erste Ehefrau Rebecca und der fanatisch loyalen Haushälterin Mrs. Danvers eingeschüchtert. Als Rebeccas gesunkenes Boot gefunden wird, geraten Maxim und seine neue Frau in einen Strudel aus Verdacht, Inquest und Brandkatastrophe.
Um 1820 reist die irische Waise Mary nach Cornwall zu ihrer Tante Patience und deren Mann Joss, dem düsteren Wirt des Jamaica Inn. Schon bald merkt sie, dass der Gasthof als Basis einer Bande von «Wreckers» dient, die Schiffe in die Irre leiten, überlebende Seeleute ermorden und Ladungen plündern. Mit dem Undercover-Ermittler Jem versucht Mary zu entkommen – nicht ahnend, dass der angesehene Richter Sir Pengallan der heimliche Drahtzieher ist.
Eine Dame verschwindet
1938
Auf einer Zugfahrt durchs fiktive Bandrika freundet sich die junge Iris Henderson mit der älteren Gouvernante Miss Froy an – bis diese plötzlich spurlos verschwindet und alle Mitreisenden behaupten, sie habe nie existiert. Gemeinsam mit Musiker Gilbert sucht Iris nach ihr, entdeckt eine Spionageaffäre um eine verschlüsselte Melodie und muss sich in einem Schusswechsel gegen feindliche Agenten behaupten.
Der junge Drehbuchautor Robert Tisdall findet am Strand die Leiche der Schauspielerin Christine Clay und wird wegen eines fehlenden Mantelgürtels als Mörder verdächtigt. Auf der Flucht verbündet er sich mit Erica, der Tochter des örtlichen Polizeichefs, um den wahren Täter aufzuspüren. Die Spur führt zu einem nervös zuckenden Schlagzeuger in schwarzer Schminke; Hitchcock erzählt 1937 einen leichten, jugendlichen «falscher Mann»-Thriller mit berühmter Kranfahrt.
Kinobetreiber Mr. Verloc führt in London heimlich eine Terrorzelle an, während seine ahnungslose Frau und ihr kleiner Bruder Stevie im Alltag mitarbeiten. Scotland-Yard-Mann Ted Spencer observiert den Laden, doch Verloc lässt Stevie unwissentlich eine Bombenladung im Bus transportieren – mit verheerenden Folgen. Als Mrs. Verloc die Wahrheit begreift, kommt es zum tödlichen Ehedrama in Hitchcocks düsterem Thriller von 1936.
Im Ersten Weltkrieg wird der Schriftsteller Edgar Brodie für tot erklärt und von «R» als Geheimagent Richard Ashenden nach der Schweiz geschickt, um einen deutschen Spion zu töten. Ihm zur Seite stehen die mondäne «Mrs. Ashenden» Elsa und der exzentrische Killer «General». Nach einem Fehlmord an einem Unschuldigen geraten Moral und Auftrag in Konflikt; schliesslich jagen sie den wahren Agenten Marvin in einen Zug, der in einem Luftangriff verunglückt.
Der Kanadier Richard Hannay gerät in London an die Spionin Annabella Smith, die kurz darauf in seiner Wohnung erstochen wird und ihm von einer Organisation namens «The 39 Steps» erzählt. Als Hauptverdächtiger flieht Hannay nach Schottland, um den wahren Spion mit dem fehlenden Fingersegment zu entlarven. Unterwegs wird er mit der skeptischen Pamela an Handschellen gefesselt und muss zugleich Polizei und Agenten entkommen – ein Schlüsselwerk des «unschuldiger Mann auf der Flucht»-Motivs.
Der Mann, der zuviel wusste
1934
Bob und Jill Lawrence erleben in den Schweizer Alpen den Mord an ihrem Freund Louis Bernard, der Bob im Sterben eine Nachricht über ein geplantes Attentat in London zusteckt. Um das Komplott zu schützen, entführt das Verbrechersyndikat Tochter Betty und zwingt die Eltern zum Schweigen. Zurück in London geraten sie an eine Sekte in einer Kapelle und müssen in der Royal Albert Hall das Attentat verhindern, ohne Betty zu gefährden.
Im Wien des 19. Jahrhunderts soll Johann Strauss Sohn auf Wunsch seines Vaters das Komponieren aufgeben und in einer Bäckerei arbeiten. Dort verliebt er sich in Bäckerstochter Resi, die eifersüchtig wird, als Gräfin Helga von Stahl ihn fördert und eine neue Walzerkomposition verlangt. Zwischen Vater‑Sohn‑Konflikt, Liebesdreieck und Operettenhumor entsteht so der «Donauwalzer» in Hitchcocks musikalischer Romanze von 1934.
In einem leerstehenden Haus mit der Nummer 17 stolpert ein vermeintlicher Detektiv nachts über eine Leiche, einen zwielichtigen Landstreicher und eine Gruppe Gangster. Alle sind hinter einem gestohlenen Schmuckstück her, das im Haus versteckt wurde. Die Handlung führt zu einer wilden Zug‑ und Busverfolgung Richtung Ärmelkanal, in der Identitäten, Tote und Taubstumme sich als trügerisch erweisen – ein frühes, stark stilisiertes Krimi‑Kuriosum von 1932.
Zwei Familien bekriegen sich: die alteingesessenen, idealistischen Landadligen Hillcrists und die neureichen, industriellen Hornblowers. Hornblower kauft Land, vertreibt Pächter und will Fabriken in die Landschaft setzen, die den Hillcrists heilig ist. Im Ringen um ein letztes Grundstück setzen die Hillcrists ein dunkles Geheimnis über Schwiegertochter Chloe als Druckmittel ein – mit Klassenkampf, Erpressung und tragischen Folgen.
Endlich sind wir reich
1931
Das gelangweilte Londoner Ehepaar Fred und Emily Hill erhält von einem reichen Onkel Geld, um noch zu dessen Lebzeiten eine Weltreise zu machen. Auf der Kreuzfahrt verlieren sie sich in Affären: Fred verfällt einer falschen Prinzessin, Emily einem charmanten Kolonialbeamten. Nach Betrug, beinahem Scheitern der Ehe, Schiffbruch und Rettung auf einer Dschunke kehren sie desillusioniert, aber enger verbunden nach England zurück – eine bittere Beziehungssatire von 1931.
«Mary» ist die deutschsprachige Version von Hitchcocks «Murder!», gedreht 1931 mit eigener Besetzung auf denselben Sets. Schauspielerin Mary Baring wird ohne Erinnerung neben der Leiche einer Kollegin gefunden und wegen Mordes verurteilt. Der Schauspieler‑Manager Sir John Menier, der im Geschworenengericht widerwillig «schuldig» stimmte, ermittelt danach auf eigene Faust, enttarnt den wahren Täter im Zirkus und deckt so einen Justizirrtum auf.
Mord – Sir John greift ein!
1930
Die Schauspielerin Diana Baring wird neben der ermordeten Kollegin Edna Druce gefunden, blutbefleckt und ohne Erinnerung an die Tat. Eine Jury verurteilt sie, obwohl der berühmte Bühnenstar Sir John Menier Zweifel an ihrer Schuld hat. Von Gewissensbissen geplagt, nimmt Sir John nach dem Prozess eigene Ermittlungen auf, taucht ins Milieu der Wanderbühnen ein und entlarvt den wahren Täter, bevor Dianas Todesurteil vollstreckt wird.
Im Dublin des Bürgerkriegs versucht die Boyle-Familie mit dem prahlerischen, faulen «Captain» Jack, der resoluten Juno und den Kindern Mary und Johnny zu überleben. Eine vermeintliche Erbschaft scheint alle Armut zu beenden, worauf die Boyles Geld ausgeben, als wäre es schon da. Als sich das Testament als wertlos erweist, Mary unverheiratet schwanger wird und Johnny von der IRA erschossen wird, zerbricht die Familie – ein düsteres, dialoglastiges Bühnenadap tionsdrama von 1930.
«An Elastic Affair» ist ein rund zehnminütiger Kurzfilm von 1930, gedreht als Showcase für die Film‑Weekly‑Schauspielstipendiaten Cyril Butcher und Aileen Despard. Hitchcock inszeniert die beiden als «Boy» und «Girl» in einer leichten Komödiennummer, die im London Palladium gezeigt wurde. Der von British International Pictures produzierte Film gilt heute als verschollen.
Der Mann von der Insel Man
1929
Auf der Isle of Man sind Fischer Pete und Anwalt Philip seit Kindertagen eng befreundet und beide in die lebenslustige Kate verliebt. Weil Kates Vater Pete für nicht standesgemäss hält, zieht dieser nach Afrika, um reich zu werden, und bittet Philip, auf Kate aufzupassen. In Petes Abwesenheit verlieben sich Kate und Philip ineinander; als Pete unerwartet zurückkehrt, führt das Dreiecksdrama in Hitchcocks vorletztem Stummfilm zu Schuld, öffentlichem Skandal und persönlichem Fall.
Verkäuferin Alice White streitet sich mit ihrem Scotland‑Yard‑Freund Frank und geht stattdessen mit einem Künstler in dessen Atelier. Als er sie bedrängt, ersticht sie ihn in Notwehr mit einem Messer und versucht, ihre Spuren zu verwischen. Frank wird auf den Fall angesetzt, erkennt Alice’ Beteiligung – doch ein zwielichtiger Zeuge beginnt, das Paar zu erpressen. Hitchcocks erster Tonfilm (1929) existiert in Ton- und Stummfassung.
Betty, die verwöhnte Tochter eines Champagnemagnaten, lebt sorglos vom Reichtum ihres Vaters und jagt mit dem Flugzeug ihrem Freund auf einem Ozeandampfer hinterher. Um sie zu erden, täuscht der Vater einen Finanzkollaps vor, zwingt sie zu einfachen Jobs und zieht sich scheinbar zurück. Zwischen eifersüchtigem Freund und geheimnisvollem Gentleman lernt Betty, Verantwortung zu übernehmen, bevor der Vater den Streich in dieser leichten Stummfilmkomödie von 1928 auflöst.
Nachdem Bauer Samuel Sweetland Frau und Tochter verloren hat, beschliesst der einsame Witwer, mit Hilfe seiner loyalen Haushälterin Minta eine neue Ehefrau aus dem Kreis der Dorf-Frauen zu suchen. Eine unabhängige Witwe, eine nervöse Jungfer und eine überhebliche Postmeisterin weisen seine unbeholfenen Anträge brüsk zurück. Erst nach dieser Serie komischer Demütigungen erkennt Samuel, dass seine ideale Partnerin Minta ist – eine warme Landkomödie mit typischem Hitchcock-Inszenierungssinn für Gruppenszenen.
Larita Filton wird in einem spektakulären Scheidungsprozess als «andere Frau» gebrandmarkt und gesellschaftlich ruiniert. Sie zieht sich nach Frankreich zurück, nimmt eine neue Identität an und heiratet den ahnungslosen John Whittaker, der sie in den englischen Landsitz seiner standesbewussten Familie bringt. Als ihre Vergangenheit durch ein Pressefoto auffliegt, wendet sich die Schwiegermutter gegen sie und Larita verlässt John, bevor sie sich endgültig selbst verliert – ein bitteres Melodram über Klassenhypokrisie.
Internatsschüler und Rugby-Star Roddy Berwick nimmt die Schuld auf sich, als eine Ladenangestellte behauptet, er habe sie geschwängert – in Wahrheit ist sein Freund Tim verantwortlich. Roddy wird von der Schule verwiesen und vom Vater verstossen, worauf eine Abwärtsspirale beginnt: erfolglose Schauspielkarriere, ausbeuterische Ehe, Gigolo-Jobs und körperlicher Zusammenbruch in Marseille. In expressionistischen Traum- und Halluzinationssequenzen zeigt Hitchcock 1927 den Sog sozialer Ächtung.
«One Round» Jack Sander ist ein Kirmesboxer, der alle Gegner in einer Runde besiegt und mit Mabel verlobt ist. Als der australische Champion Bob Corby ihn inkognito K.O. schlägt, engagiert er Jack als Sparringspartner und wirbt zugleich um Mabel. Jack arbeitet sich zum Titelkampf hoch, in dem sich entscheidet, ob er seine Frau gegen den Rivalen im Ring – und im Leben – behaupten kann.
London wird von einem Serienmörder namens «The Avenger» terrorisiert, der blonde Frauen tötet. In dieser Atmosphäre mietet ein geheimnisvoller Gentleman ein Zimmer bei den Buntings und zeigt auffälliges Interesse an deren blonder Tochter Daisy. Daisys Freund Joe, ein Polizist, beginnt den Lodger zu verdächtigen, während das Publikum lange im Unklaren bleibt, ob er Täter oder unschuldiges Opfer einer Hysterie ist – ein früher Schlüsselfilm Hitchcocks.
«The Mountain Eagle» ist Hitchcocks zweiter Spielfilm und gilt als sein einzig verschollener. Das Melodram spielt in einem abgelegenen Bergdorf (oft als Kentucky oder Alpen beschrieben) und erzählt von einer jungen Lehrerin, die vom besitzergreifenden Friedensrichter verfolgt wird und Zuflucht bei einem als gefährlich geltenden Eremiten findet. Der Film floppte 1927 und wurde für seine unglaubwürdige Handlung kritisiert; heute stehen nur wenige Produktionsstills und zeitgenössische Beschreibungen zur Verfügung.
Irrgarten der Leidenschaft
1925
Choristin Patsy Brand hilft der mittellosen Jill Cheyne zu einem Job im Pleasure-Garden-Theater in London. Während Jill zur gefeierten Tänzerin aufsteigt, Hugh verlässt und sich einem reichen Prinzen zuwendet, bleibt Patsy bodenständig und heiratet den scheinbar soliden Levet. In Afrika entpuppt sich Levet als gewalttätiger Ehebrecher und Mörder; seine Schuldgefühle treiben ihn in Wahnvorstellungen, bis Patsy sich von ihm befreien kann und mit Hugh nach London zurückkehrt.
«Number 13», auch als «Mrs. Peabody» bekannt, war Hitchcocks erstes Regieprojekt von 1922 und blieb unvollendet. Geplant war eine soziale Komödie um einkommensschwache Bewohner eines von der Peabody Trust finanzierten Mietshauses in London. Nach nur etwa zwei gedrehten Rollen gingen die privaten Gelder aus, die Produktion wurde abgebrochen und das Material gilt heute als verschollen – Hitchcock selbst nannte den Film später «nicht sehr interessant».